"Die kulturelle Kodierung der Region"
(Prof Dr. Konrad Köstlin, Universität Wien)
"Ein Volk, ein Gott, ein Reich: Die
völkische Bewegung" (PD Dr. Uwe Puschner, Freie Universität Berlin)
"Worpsweder Kunst im Zeichen des
Niederdeutsch-Mythos" (Dr. Kai Artinger, Lübeck)
"Niederländisch im ,Quickborn'
1933-1945 -
mehr als eine Nachbarsprache?"
(Volker Georg,
Norden)
"Artfremdes Aroma? Der ,Quickborn' als
Plattform kritischer Analyse" (Michael Töteberg,
Hamburg)
"Muster mit eingelöstem Wert:
Plattdeutsche Gegenwartsliteratur am Beispiel von Oswald Andrae und Greta
Schoon" (Johann
Peter Tammen, Bremerhaven)
"Sprachenpolitik und Prestige des
Plattdeutschen" (Prof Dr. Heinz H. Menge,
Universität Bochum)
"Virtuelle Ethnizität: Plattdeutsch im
Internet" (Dr.
Nils Zurawski, Universität Hamburg)
Die Vereinigung Quickborn und das
Institut für niederdeutsche Sprache laden aus zwei Gründen gemeinsam zu dieser
Vortragsveranstaltung ein. Einmal steht das Symposium im Zeichen von zwei
Jubiläen. Das Bremer Institut, eine Einrichtung des Wissenschaftstransfers, kann
2004 auf eine dreißigjährige Tätigkeit zurückblicken. Die Geburtsstunde der
traditionsreichen Hamburger Vereinigung Quickborn für plattdeutsche Sprache
und Literatur rundet sich in diesem Jahr zum hundertsten
Mal.
Zum anderen - und dies gab den
Veranstaltern den entscheidenen Anstoß für diese aktuelle Tagung - hat sich
insbesondere im letzten Jahrzehnt das Verständnis von Kunst und Kultur
grundlegend gewandelt. Kultur gilt heute als ein von Menschen erzeugter
Komplex aus Vorstellungen, Denkformen und Werten. Raumbesetzungen durch
plattdeutsche Sprachbilder sind also schon immer von Deutungen geleitet
gewesen. Vor dem Hintergrund aktueller Globalisierungsvorgänge erleben die
Bemühungen um den Schutz von regionaler Kultur und Sprache eine
Konjunktur.
Im Zentrum der Vortragsveranstaltung
steht deswegen die Frage, welche Wahrnehmungs- und Symbolisierungsstile sich
jeweils mit dem Plattdeutschen verbinden.
Die Veranstalter hoffen, mit dieser
wissenschaftlichen Tagung zur Klärung beizutragen, ob es einen Zusammenhang
zwischen der Vergangenheitsdeutung des Plattdeutschen, dem
Gegenwartsverständnis der Sprache und den Erwartungen gegenüber vertrauten
kulturellen Werten gibt. Dabei wird der Blick auf die Geschichte des Raumes und
seine Sprachbilder um eine Perspektivierung gegenwärtiger Entwicklungen ergänzt.
Scheinen sich doch Identitätssetzungen und Mythenbildungen unter den virtuellen
Bedingungen der Moderne in vielerlei Gestalt
fortzusetzen.
Vor diesem Hintergrund werden die
Referenten Praxen des Plattdeutschen - teilweise parallelisiert
zur Geschichte der Vereinigung Quickborn -
kritisch aufarbeiten und darüber hinaus die neuen Konturen des
Plattdeutschen als kulturelle Ressource analysieren. Die Tagung soll mit
einen Anstoß dafür geben, dass die Betrachtung der Projektionsflächen des
Plattdeutschen künftig um einen kulturwissenschaftlichen Focus erweitert wird.
Den Veranstaltern war es wichtig, für die Vortragsthemen Fachkenner zu gewinnen,
die aus einer Art Außenperspektive Bruchzonen und Zukunftshorizonte von
regionaler Kultur und Sprache sichtbar machen.
Gäste der Tagung, die öffentlich
angezeigt und beworben wird, sind Wissenschaftler, Kulturschaffende,
Medienvertreter, Mundartfreunde und Vereinsmitglieder aus dem qesamten
norddeutschen Raum.
Die Referate sollen mit einer eigenen
Publikation dokumentiert werden, die in der Schriftenreihe des Instituts für
niederdeutsche Sprache erscheinen wird.
Dr. Ulf-Thomas Lesle (INS)