08.10.2004 - Symposion 100 Jahre Vereinigung Quickborn
 
           PLATTNET-Nachrichten - 08.10.2004 -3
 
       
Aus Anlass von 100 Jahren Vereinigung "Quickborn" veranstalten
die Vereinigung Quickborn
und das Institut für niederdeutsche Sprache
das Symposion
 
Kulturraum und Sprachbilder - Plattdeutsch gestern und morgen
 
Sonnabend, 23. Oktober 2004, 10.00 bis 17.00 Uhr
Elysee Hotel, Rothenbaumchaussee 10, Hamburg
 
Folgende Referate sind vorgesehen:
 

"Die kulturelle Kodierung der Region" (Prof Dr. Konrad Köstlin, Universität Wien)

"Ein Volk, ein Gott, ein Reich: Die völkische Bewegung" (PD Dr. Uwe Puschner, Freie Universität Berlin)

"Worpsweder Kunst im Zeichen des Niederdeutsch-Mythos" (Dr. Kai Artinger, Lübeck)

"Niederländisch im ,Quickborn' 1933-1945 - mehr als eine Nachbarsprache?" (Volker Georg, Norden)

"Artfremdes Aroma? Der ,Quickborn' als Plattform kritischer Analyse" (Michael Töteberg, Hamburg)

"Muster mit eingelöstem Wert: Plattdeutsche Gegenwartsliteratur am Beispiel von Oswald Andrae und Greta Schoon" (Johann Peter Tammen, Bremerhaven)

"Sprachenpolitik und Prestige des Plattdeutschen" (Prof Dr. Heinz H. Menge, Universität Bochum)

"Virtuelle Ethnizität: Plattdeutsch im Internet" (Dr. Nils Zurawski, Universität Hamburg)         

 

Die Vereinigung Quickborn und das Institut für niederdeutsche Sprache laden aus zwei Gründen gemeinsam zu dieser Vortragsveranstaltung ein. Einmal steht das Symposium im Zeichen von zwei Jubiläen. Das Bremer Institut, eine Einrichtung des Wissenschaftstransfers, kann 2004 auf eine dreißigjährige Tätigkeit zurückblicken. Die Geburtsstunde der traditions­reichen Hamburger Vereinigung Quickborn für plattdeutsche Sprache und Literatur rundet sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal.

Zum anderen - und dies gab den Veranstaltern den entscheidenen An­stoß für diese aktuelle Tagung - hat sich insbesondere im letzten Jahr­zehnt das Verständnis von Kunst und Kultur grundlegend gewandelt. Kul­tur gilt heute als ein von Menschen erzeugter Komplex aus Vorstellungen, Denkformen und Werten. Raumbesetzungen durch plattdeutsche Sprach­bilder sind also schon immer von Deutungen geleitet gewesen. Vor dem Hintergrund aktueller Globalisierungsvorgänge erleben die Bemühungen um den Schutz von regionaler Kultur und Sprache eine Konjunktur.

Im Zentrum der Vortragsveranstaltung steht deswegen die Frage, welche Wahrnehmungs- und Symbolisierungsstile sich jeweils mit dem Plattdeut­schen verbinden.

Die Veranstalter hoffen, mit dieser wissenschaftlichen Tagung zur Klärung beizutragen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Vergangenheits­deutung des Plattdeutschen, dem Gegenwartsverständnis der Sprache und den Erwartungen gegenüber vertrauten kulturellen Werten gibt. Dabei wird der Blick auf die Geschichte des Raumes und seine Sprachbilder um eine Perspektivierung gegenwärtiger Entwicklungen ergänzt. Scheinen sich doch Identitätssetzungen und Mythenbildungen unter den virtuellen Bedingungen der Moderne in vielerlei Gestalt fortzusetzen.

Vor diesem Hintergrund werden die Referenten Praxen des Plattdeutschen  - teilweise parallelisiert zur Geschichte der Vereinigung Quickborn - kri­tisch aufarbeiten und darüber hinaus die neuen Konturen des Plattdeut­schen als kulturelle Ressource analysieren. Die Tagung soll mit einen An­stoß dafür geben, dass die Betrachtung der Projektionsflächen des Plattdeutschen künftig um einen kulturwissenschaftlichen Focus erweitert wird. Den Veranstaltern war es wichtig, für die Vortragsthemen Fachkenner zu gewinnen, die aus einer Art Außenperspektive Bruchzonen und Zukunfts­horizonte von regionaler Kultur und Sprache sichtbar machen.

Gäste der Tagung, die öffentlich angezeigt und beworben wird, sind Wis­senschaftler, Kulturschaffende, Medienvertreter, Mundartfreunde und Ver­einsmitglieder aus dem qesamten norddeutschen Raum.

 

Die Referate sollen mit einer eigenen Publikation dokumentiert werden, die in der Schriftenreihe des Instituts für niederdeutsche Sprache erscheinen wird.

Dr. Ulf-Thomas Lesle (INS)

 

www.quickborn-ev.de

www.ins-bremen.de

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