14.04.2020 - (10047) Trauer um Wolfgang Lindow (1932-2020)

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         weserkurier.png         Abb.: https://trauer.weser-kurier.de/mobil/traueranzeige/wolfgang-lindow

 

Trauer um Wolfgang Lindow (1932-2020)

Ein Mann der ersten Stunde beim Institut für niederdeutsche Sprache ist verstorben

 

(pn) Bereits am 30. März starb der Germanist und Volkskundler Dr. Wolfgang Lindow. Als einer der beiden ersten Geschäftsführer war er ab 1972 bzw. 1974 maßgeblich am Aufbau des Instituts für niederdeutsche Sprache in Bremen beteiligt, das sich schnell einen Namen als Brückeninstitution zwischen Wissenschaft und niederdeutscher Kultur- und Sprecherszene machen konnte. Bis zu seiner Pensionierung 1995 konnte er wichtige Projekte des Instituts mit auf den Weg bringen.

 

Wolfgang Lindow wurde am 20. Dezember 1932 im pommerschen Greifenberg geboren. Am Ende des Krieges flüchtete die Familie westwärts und ließ sich im lauenburgischen Mölln nieder. Nach dem Abitur an der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg studierte Wolfgang Lindow Germanistik und Volkskunde, promovierte 1961 mit dem Thema „Volkstümliches Sprachgut in der neuniederdeutschen Dialektdichtung“ an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Während seiner Zeit als Mitarbeiter des Gemanistischen Seminars in Kiel führte er zusammen mit dem Statistischen Landesamt die erste große Umfrage und deren Auswertung zur landesweiten Sprachsituation durch: „Das Plattdeutsche in Schleswig-Holstein“ (1967). Aus seiner Zeit als Jugendlicher in der Eulenspiegelstadt Mölln schien sein Interesse an deren Wahrzeichen begründet zu sein: 1966 erschien „Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Nach d. Druck von 1515“, herausgegeben von Wolfgang Lindow in Reclams Universalbibliothek in mehreren Auflagen.

 

Stets beobachtete er aufmerksam und kritisch die jeweilige niederdeutsche Kulturszene, die immer noch mit der Aufarbeitung ihrer Vorkriegsvergangenheit zu kämpfen hatte. Engagiert nahm er an den jährlichen Dagfahrten in Bad Bevensen teil, unterstützte als Mitherausgeber und Herausgeber Veröffentlichungen junger Autoren: „Plattdeutsche Erzähler und plattdeutsche Erzählungen der Gegenwart – Porträts, Skizzen, Interpretationen“ (1968), „Dar is keen Antwort - Texte junger Autoren in niederdeutscher Mundart; Diskussionsbeiträge zur Sprache und Dichtung der Landschaft“ (1970) u.a. Darüber hinaus galt sein großes Interesse dem niederdeutschen Theater.

 

Zusammen mit Dr. Claus Schuppenhauer begann er als Geschäftsführer Anfang 1974 im Bremer Schnoorviertel mit der Arbeit beim Institut für niederdeutsche Sprache. Das war bereits 1972 als Verein gegründet worden und hatte etliche Monate intensiver Beratungen und Verhandlungen mit den geldgebenden Bundesländern hinter sich. Zusammen mit E. Schmidt-Auffurth als Geschäftsstellenleiter und W. Roeder als Sekretärin startete man schnell mit wichtigen Projekten, wozu eine umfangreiche Dokumentation und Materialsammlung gehörten, aber auch die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien und Informationen. Neben eigenen Arbeiten und zahlreichen maßgeblichen Publikationen, an denen er beteiligt war, bleibt besonders in Erinnerung: „Plattdeutsches Wörterbuch“, bearb. von Wolfgang Lindow 1987. Auch als zeitweiliger Sprecher der niederdeutschen Nachrichten bei Radio Bremen wurde er bekannt. 1995 endete seine Dienstzeit beim Institut für niederdeutsche Sprache.

 

Dr. Wolfgang Lindow ist am 30. März 2020 in Bremen gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.

 

(Volker Holm)

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